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Ich weiß nicht, wie das bei den Chinesen war, bei mir ist 1972 das Jahr des Hundes. Meines Hundes, meiner Hündin. Geboren wurde sie am 27. Dezember 1971, sie starb am selben Tag fünfzehn Jahre
später. Ihr Leben überspannte nicht nur verschiedene Epochen meines Lebens, bis in mein jetziges hinein, auch verschiedene Länder, sogar Kontinente.
Wie ich auf den Hund komme? Ich bin über dreißig, eine leicht überspannte Pariserin, ich arbeite, verdiene Geld, bin jedoch unzufrieden, unglücklich, noch unfrei von Ängsten und Phobien, treibe
mich auf dem Flohmarkt herum, dem Kirmes des Lebens, wo alles zusammen- und auseinanderläuft, trinke viel, amüsiere mich, wenn ich kann. Ich bin hauptsächlich allein.
In meinem Haus, den gegenüberliegenden Eingang unter unserem Tunnelgewölbe hoch, wohnt im ersten Stock eine alte Dame, Madame Manetti, zu der ich gehe, weil ich wieder ein Kleid auf dem Flohmarkt
gekauft habe, das umgeändert werden muß. Sie ist auch allein, hat einen Sohn, haßt ihre Schwiegertochter, die kalt und hochmütig ist. Eine kleine, leicht gebückte Frau, ihr Haar hinten
zusammengesteckt, ältlich gespreizte Zähne durch die es spuckt, wenn die Leidenschaft sie packt, ihre Finger sind krumm vom vielen Nähen, davon überlebt sie, schon lange Witwe, ihr Mann war
Italiener, Journalist, Sozialist, sie ist herzlich, heftig, lebhaft, sie wohnt seit einer Ewigkeit im „cent quatre“. Wir werden große Freunde.
Sie ist eine gelernte Näherin, ihre Mutter besaß einen Salon, wo die Modelle der großen Couturiers nachgeschneidert wurden, verdiente viel Geld. An ihrer Wand hängt ein kleines Gemälde, das
Portrait ihrer Mutter, gemalt von Gustave Doré. Das war lange her, jetzt ist sie arm, denn Altersversicherung gab es erst nach dem 2. Weltkrieg, die Miete bezahlt ihr Sohn.
Sie liebt mich, weil ich das Leben bringe, das Frauenleben, das glücklich ist, unglücklich ist, das sich bewegt, sie bewegt, sie spricht zu mir wie eine ältere Freundin, eine besorgte Mutter, eine
fürsorgliche Großmutter. Ich liebe sie, weil sie immer für mich da ist, mir zuhört, mit mir lacht, mir Vorhaltungen macht, Ratschläge gibt, für die ich existiere als die ich bin.
Ihr Mann hatte früher einen Hund, als er starb beging der Hund Selbstmord, er ließ sich auch sterben. Das erzählt sie mir viele Male. Sie liebt Tiere, vor dem Fenster ihres Wohnzimmers stehen auf
ausgebreitetem Zeitungspapier mehrere Vogelkäfige. Eines Tages, im März, fragt sie mich, sagen Sie, möchten Sie keinen Hund haben? Wieso, sage ich, wie kommen Sie darauf? Ich habe einen jungen
Hund gewonnen, sagt sie. Ich finde, das täte Ihnen gut, ein Hund. Bon d’accord, sage ich, manchmal auf dem Flohmarkt denk’ ich, es wär’ schön so’n Tier neben sich herlaufen zu haben.
Wenig später treffe ich sie auf dem Boulevard mit einem Welpen im Arm, so einem kleinen weißen Ding mit brauner Schnauze, mit braunen Flecken, blanken Augen, einem Kuscheltier. Ein Weibchen, sagt
Madame Manetti, einen Tag behalte ich das Hündchen, morgen gehört es Ihnen.
Gerade kommt sie von der offiziellen Verleihung ihres Preises, die junge Hündin war ihr von einem berühmten pied-noir-Sänger in den Arm gelegt worden, später zeigt sie mir das Foto in der Zeitung,
er hatte es einem Tiermagazin gespendet, dieses veranstaltete ein Preisausschreiben, Madame Manetti hatte die netteste Tiergeschichte erzählt und gewonnen, das war lange her, hatte sie
geschrieben, als ich eine junge Frau war, über mir wohnte eine alte Dame, die hatte einen komischen, braven Mischling, dem sie beigebracht hatte, jeden Morgen zur Bäckerei an der Ecke zu laufen,
sie machte die Tür auf, er lief runter, ganz allein, wenn die Bäckersfrau ihn ankommen sah, steckte sie ihm eine Tüte mit zwei Croissants ins Maul und er trug sie zu seiner Herrin für ihr
Frühstück. Eines Morgens stellte die alte Dame fest, daß die Tüte nur einen Croissant enthielt, ach, dachte sie, die Bäckerin hat sich versehen, doch am nächsten Morgen war da wieder nur ein
einziger, so machte sie sich auf, der Sache nachzugehen. Nein, sagte die Bäckersfrau, ich gebe ihm zwei, wie immer. So kam man dem Hund auf die Schliche: In der Nebengasse, der cité Veron, lebte
ein herrenloser Hund. Der Hund der alten Dame lief zu ihm, stellte ihm die Tüte vor die Nase, er fummelte sich mit der Schnauze einen Croissant heraus und fraß ihn. Dann ergriff der Hund der alten
Dame die Tüte und lief nach Hause.
Dieser Geschichte verdanke ich es, daß sich von nun an mein Leben umkrempelt, sich fast nur um meine Hündin dreht, ich neue Gewohnheiten annehme, in viele Schwierigkeiten laufe. Noch am selben
Abend nehme ich sie mit, sie hat schon einen Namen, denn sie ist eine hochadelige Hundedame, sie ist Ulane du Petit Lord, geboren im Jahr ,u’, im Süden, in Menton. Schon als junge Hündin hat sie
Charakter. Als ich sie an meiner Tür auf den Boden setze, läuft sie durch den Flur, durch das Wohnzimmer direkt in mein Schlafzimmer, hüpft auf mein Bett, auf die weiße, gehäkelte Großmutterdecke,
von dort sieht sie mich frech an, gibt mir ihr erstes kehliges Aufbellen: jetzt haste mich. Ich setze mich in meinen Schaukelstuhl und gucke zurück. Ich habe keine Ahnung, wie man das mit Hunden
macht.
Mit der Zeit wächst sie auf und wird die schönste Hündin der Welt, ich brauche keine Hundeausstellung, um das zu wissen. Sie hat einen wohlgerundeten Kopf, trägt ihre braune Schnauze wie einen
Schmollmund, ihre klugen braunen Augen sehen einen direkt an, ihre Brust, die des zierlichen Weibchens, ist eng, die Linien von Rücken und Bauch laufen perfekt in ihrer stolzen Rute aus, sie hat
das seidigste Fell, die leberfarbenen Flecken vertiefen sich zu sympatischen Sommersprossen, sie trägt sich graziös auf edlen Louis XV-Pfoten, dicken, erhöhten Ballen, langen Nägeln, die
Vorderphote streckt sie einem manchmal wie eine schöne, lange Hand, die man küssen möchte, entgegen. Am Anfang ist sie unerzogen, sie kommt gerade vom Land und will nicht verstehen, daß sie sich
nicht in der Wohnung erleichtern darf, sondern drei Etagen runterlaufen muß. Morgens nehme ich sie mit ins Büro. Die ganze Firma von Jean-Claude steht Kopf, wenn sie erscheint. Schon früh lächelt
sie. Sie läuft sofort auf Erkundung, wie ein freundliches Mädchen macht sie ihre Runde, geht zu jedem, der sie mag und lächelt ihn an, bekommt ein paar Liebesworte, ein Streicheln, dann schnüffelt
sie den Sandhaufen an, den sie als Toilette benutzt, Julien oder Albert Hess heben ihr Produkt mit der Schippe auf und werfen es in den Mülleimer, ohne je ein Wort zu sagen. Ich lasse sie allein,
sitze oben an meinem neuen Metallschreibtisch am Fenster, schaue ab und zu hinaus, was sie macht. Ist da ein anderer Hund, toben beide auf dem Sandhaufen herum. Einmal kommen Jean Marais und sein
junger Husky zu Fuß in den Hof. In jedem Café hatte sein Hund anhalten und ein Stück Zucker haben wollen, erzählt er mir, während die Hunde vor uns herumtollen. Meine Hündin ist von absoluter
Geschmeidigkeit und Kraft, unermüdlich. Sie dreht sich in der Luft einmal um sich selbst, wie ein Schlittschuhläufer, wendet diesen Trick immer wieder an, bringt den anderen Hund durcheinander.
Nachmittags ist sie müde und schläft zusammengerollt im alten Ledersessel hinter mir im Büro.
Wir werden die zwei Unzertrennlichen, sind im Viertel bekannt wie zwei bunte Hündinnen, die wir sind: ich trage zum ersten Mal farbige Kleidung, meine Hündin ist eine braune Dalmatinerin, „une
dalmachienne“, sagt Jean Claude. Überall sind wir zusammen zu sehen, in Cafés, beim Einkaufen, zweimal tags den Hügel Montmartre hoch, morgens vor der Arbeit, spät abends. Wir haben einen modus
vivendi, ich gehe mit gewöhnlichem Spazierschritt den Bürgersteig entlang, ohne mich um sie zu kümmern, sie ist frei zu tun, was Hunde gern tun. Sieht sie mich weit weg, läuft sie im
Schnellsttempo hinter mir her. Wenn eine Straße zu überqueren ist, wartet jede auf die andere. Ich habe das Glück, daß meine Hündin Autos nicht mag, die in ihrer Augenhöhe vorn Hitze und Lärm,
hinten Dreck speihen. Beim Überqueren einer Straße bleibt sie im Schutz meiner Beine. Oben am Montmartre kennen wir bald jeden Winkel, kletteren endlose Stufen hoch, gehen über stille
Villenstraßen, ab und zu springt sie über einen Gartenzaun, sie schwebt praktisch aus dem Stand darüber hinweg und rast auf dem ausgedehnten Rasenstück bis zur Ermüdung hin und her. Dann schreitet
sie wieder brav neben mir her, zierlich wie ein kleines dressiertes Pferd. Jeder, der sie erblickt, gerät in Entzücken, überall strecken sich ihr Hände entgegen, die sie streicheln wollen. Sie
sieht mich kurz an, wenn ich kein Erkennen der Person zeige, tänzelt sie mit leise klickenden Nägeln an der Person vorbei.
Sofort hat sie die rue Lepic erobert. Wenn ich einkaufen gehe, das ist oft jeden Tag, weil ich für gewöhnlich in der Wohnung esse, geht sie zuerst links zum Käsemann, die Kassiererin hat immer ein
Stück Käse für sie. Dann nehme ich sie mit zum Fleischer, damals steht man mitten im Geschäft, der glitschige Fliesenboden ist bedeckt mit Sägemehl, die Wände entlang laufen hölzerne, nach unten
ausgewölbte Arbeitsblocks, die abends säuberlich mit einem großen Messer neu ausgekratzt werden, dort wird die Ware geschnitten, zubereitet, verpackt, jeder Kunde hat seinen speziellen Fleischer,
geht direkt zu ihm, bestellt, läßt ihm ein kleines Trinkgeld. Meine Hündin steuert auf meinen Fleischer zu, hat sofort ihr Bällchen Gehacktes, das er ihr quasi mit der linken Hand, heimlich, in
den Mund schiebt. Ab und zu bekommt sie einen riesigen Knochen, dann muß sie sofort nach Hause laufen, ich haste hinter ihr her, kann kaum Schritt halten, oben nagt sie eine Weile an ihm,
versteckt den Rest, am nächsten Tag kackt sie weiße Zementködel. Wenn ich meinen Kaffee stehend einnehme, steht sie, Vorderpfoten an den Tresen gelehnt, aufrecht neben mir. Dann kommt der Kellner
gelaufen und sie hat ihr Stück Zucker. Wir sitzen oft auf der Terrasse, damals gibt es neben dem Moulin Rouge mehrere alte Cafés, kleine runde Tische, Stühle aus Korbgeflecht, meine Hündin springt
auf den Stuhl neben mir, sitzt da wie ein Porzellanhund, vornehm und hochnäsig und guckt die Leute an. Touristen spazieren vorbei und schreien auf, Deutsche vor allem, guck mal, hast du den Hund
gesehen, Mensch ist der süß.
Im Viertel nennt man uns: la belle et la bête. Niemand sagt uns, wer wer ist. Meine Hündin überstrahlt mich bei weitem. In den schönen Monaten des Jahres fahren wir oft mittags in Jean-Claudes
weißem Oldsmobile, Verdeck runter, meine Hündin sitzt hinten wie ein Star auf dem weißen Ledersitz, Jean-Claude lenkt sein Riesenschiff geschickt durch die engen Straßen von Montmartre, c’est une
reine, sagt er, in ein kleines Restaurant neben dem letzten Weinberg von Paris, es heißt „La Maison Rose“, ein sehr altes einstöckiges, rosa angepinseltes Haus, auf dem engen, ansteigenden
Bürgersteig liegt eine Holzplanke, darauf stehen einige wackelige Tische und Stühle. Keine Touristen, keine Autos, Vögel singen, gegenüber ist ein großer Garten, der der Stadt Paris gehört, innen
liegen Gebäude mit Ateliers, viel später hat Wolodia für ein Jahr eins von ihnen inne.
Doch, doch, ich schlage meine Hündin oft, und nicht nur mit der Zeitung in der Hand, ich ohrfeige sie, schreie dazu, dann kneift sie ihre Augen zu und duckt sich. Und sie weiß auch jedes Mal
warum. Es dauert lange, bis sie sauber ist. Als der Teppich voller Pipiflecken ist, steigt sie auf die Couch und pinkelt dort. Doch als sie es endlich kapiert hat, wird sie sehr selbstständig.
Wenn sie mitten in der Nacht rausmuß, kommt sie an mein Bett, piepst mir ins Ohr, ich mache die Wohnungstür auf und sie läuft allein runter. Ich gehe wieder ins Bett. Ist die Tür unten im Hausflur
zu, wenn sie nur angelehnt ist, kann sie sie mit der Pfote öffnen, piepst sie wieder und ich kann das über drei Etagen hinweg und durch mehrere Räume hindurch im Schlaf hören, es muß eine Art
Spezial-Ultraschall sein, dann gehe ich runter und öffne die Tür. Sie kommt zurück, wann es ihr paßt, weglaufen kann sie nicht, das Eisentor zur Straße hin ist geschlossen, doch findet sie immer
etwas zu fressen, irgendeine Alte wirft ihre Hühnerknochen oder Fischschwänze aus dem Fenster, wenn sie zurück ist, kommt sie zu meinem Bett und sagt Bescheid, ich stehe auf und mache die
Wohnungstür zu.
Was ich ihr nie abgewöhnen kann, ist, auf meine Sofas und Couchs zu springen wenn ich nicht da bin, das ist wie ein Racheakt, weil ich sie allein lasse. Wenn sie mich kommen hört, springt sie
runter, grinst mich unschuldig an und ist erstaunt, daß ich es doch merke, denn sie hinterläßt natürlich ein dickes Laken weißer Härchen.
Sie schläft lange mit mir in meinem Bett, sie ist so weich und warm, bis ich einen kurzen Liebhaber habe, er wird in zwei Wochen heiraten, ich verfüge endlich, mit seiner Hilfe, daß sie in ihrem
Korb in der Küche zu schlafen hat, eine ganze Nacht lang weint sie bitterlich, ich halte durch, am nächsten Tag schimpft sie mich heftig aus, bellt mich wütend an, fügt sich aber. Ihr Korb steht
in der Küche unter dem Fenster, das wie alle alten Pariser Fenster sehr tief ist und zieht. So gewöhne ich mir an, sie jeden Abend zuzudecken, dann kann sie nur so schlafen, zugedeckt, jeden Abend
steht sie vor ihrem Bett und wartet auf mich, nachts weckt sie mich, damit ich sie wieder zudecke, alle fünfzehn Jahre hindurch.
So fängt mein Hundeleben an. Natürlich geht sie mit mir zum Flohmarkt, ohne Leine, wie immer, sie stelzt über die am Boden ausgelegten Objekte, schlängelt ihren schlanken Körper durch
vollgestellte Buden, nie hat sie den kleinsten Schaden angerichtet, obwohl zuerst die Besitzer schreien. Sonntags fahren wir in den Bois de Boulogne zur Hundewiese, wo die seltsamsten Modelle
herumlaufen, sich schief ansehen, sich hoheitsvoll ausweichen. Nach einer Weile hat sich alle Welt an uns gewöhnt. Der Arzt, der im Vorderhaus wohnt, sagt zu Madame Manetti, wir haben ihr eine
Hündin gegeben damit sie ein wenig ruhiger wird, aber jetzt hat sie die Hündin verrückt gemacht, denn jeden im „cent quatre“ begrüßt sie mit lachender Schnauze und heftig bewegtem Schwanz.
Die einzigen, die meine Hündin nicht mögen, ist meine Familie. Meine Mutter verbietet ihr das Haus, mein Vater sagt abfällig, ihr zwei Lesbierinnen, es ist wahr, er hatte einen getrunken, in dem
Zustand kann er mich auch schon mal fragen, ob ich noch Jungfrau bin, meine Schwestern lehnen sie ab. Eine von ihnen, wir hatten mit ihrem kleinen Sohn auf einer Wiese getollt, vielleicht lagen
Blech-, Glasstücke im Gras, die Hündin hatte sich die Schlagader an einer ihrer Pfoten aufgeschnitten, lehnt es ab, wegen eines Hundes extra in die Stadt zu fahren, eine Nachbarin, eine
hochschwangere Frau, setzt uns schließlich in ihr Auto, im langen Flur des Tierarztes hinterlassen wir lange blutige Spuren.
Im April wird Jacks und Françoises Tochter geboren. Jack besucht seine Frau bei ihrer Mutter in Neuilly, wegen des Babys ist er ratlos.
Er kauft seiner Frau einen älteren weißen Peugeot 404, den sie, die Mini-Cooper-Fahrerin nicht haben will, zu groß, zu eckig, zu unelegant, ich, die ich autolos bin, erbe ihn. Er gibt nicht viel
her, aber innen ist er in schwarzem Leder gepolstert und hat Automatik. Ich hole damit oft Françoise ab und wir fahren in die Normandie, hier ist ein kopfloses Photo meiner neuen Brüste, an die
ich Françoises Baby halte, ich kann sie erkennen, obwohl die Narben nicht sehr sichtbar sind, ich trage das in Beyrouth gekaufte Kreuzchen. Jack, um seine Frau bei Laune zu halten, denn ab und zu
kommt sie für ihre ehelichen Pflichten bei ihm vorbei, hat ihr auch einen Hund gekauft, einen bretonischen Spaniel, und wir treffen auch Tao dort, Noras Hund, einen riesigen deutschen Schäferhund,
den meine Hündin wütend ankläfft, wenn er sich zu sehr für sie interessiert, Françoises Hund läßt sie in Ruhe, er ist homosexuell. Hier sind andere Photos aus der Zeit, die verrückte Nora, die mit
ihrem korsischen Gangsterfreund in einer Ruine wohnt, hat bei uns ein Bad genommen, eine Gesichtsmaske aufgeschmiert, sie kommt nackt aus dem Haus gelaufen, stellt sich in Position, schmiegt sich
mit ihrem Gipsgesicht an ihren leicht genierten Freund, faßt ihm zwischen die Beine. Dies ist das Jahr, in dem wir Familienleben spielen, obwohl Vater Jack nie da ist. Später läßt Françoises
Interesse für ihr Baby nach, es war, sagt sie, in Beirut gezeugt, als ihr Mann ihr die Nebenfrau aufzwang, und Jack übergibt es Madame Martin, einer Spanierin vom Dorf, die früher im Nebenhaus
wohnte, in einer Hütte mit Lehmboden, bevor sie ihren Mann verlor, und diese zog Jacks und Françoises Kind mit ihrer Jüngsten auf.
Ende Mai erhalte ich einen langen Brief von Eva, in Antwort auf einen vom mir im Januar geschriebenen, vor meiner Hundezeit. Sie rechnet hart mit mir ab. Hier ist ein Ausschnitt:
„Nun bin ich soweit, Deinen Brief vom 6. Januar zu beantworten. Ich habe schon einmal, gleich nach Eintreffen Deines Briefes, den Versuch gemacht, aber die Aggressionen überwältigten mich, so daß
ich unfähig war, zu schreiben.
Wir haben uns in unterschiedliche Richtungen entwickelt, entfremdet möchte ich sagen. Es käme mir sinnlos vor, darüber hinwegzugehen.
Mich ärgert Dein ganzer Brief. Deine Terminologie, Deine „wahre Geschichte“, Dein Ekel vor der Welt, vor Dir selber usw. Du vertrittst in hochmütiger (Du würdest vielleicht sagen, in „demütiger“)
Weise eine Autonomie, die Du nicht hast. Ich möchte sagen, Du bist, seitdem ich Dich kenne, nur dümmer geworden. Früher mögen Deine Gefühle romantisch, existentialistisch und interessant gewesen
sein, heute sind es die selbstmitleidigen Gefühle einer Frau, die mich verdammt an meine Mutter erinnert. Halbtalentiert und egoistisch zu sein, ist einfach langweilig und ältlich, sonst gar
nichts. Wenn man jung ist, wird’s einem von einigen Schwächlingen, die man entsprechend verachtet, noch abgenommen, später ist man einfach erledigt, nur nicht für solche, die genauso sind, für die
man aber ebenso verächtlich ist, wie sie sich selber sind, anderen begegnet man nicht mehr.
Die sieht man nämlich gar nicht. Die scheinen einem „nicht groß genug“, oder ähnliches. Du forderst überhaupt nicht viel zu viel (damit willst du sagen, Du bist so anspruchsvoll, daß nichts es Dir
recht machen kann), im Gegenteil, Du hast noch nie von einem Mann gefordert, daß er Dich wirklich liebt, das heißt, auch zu Dir steht, ganz billig, Dich zum Beispiel heiratet. Du wirst sagen, das
hättest Du aber manchmal insgeheim gewünscht oder ein wenig gewünscht, bei Hannes z.B. Aber Du scheinst Dir immer nur solche Männer auszusuchen, die entweder schon eine Frau haben (und denke doch
ja nicht, solche würden sich von ihrer Frau trennen) oder solche, die sowieso keine wollen, oder solche, die Du nicht willst. Alle Männer nutzen Dich aus, Du sie natürlich auch, aber solche nutzen
Dich besonders aus, die schwafeln, Du gefielst ihnen einfach zu gut, ja mag sein, nur nicht so gut, daß sie bereit sind, für Dich wirklich was zu tun.
Liebe ist was ganz anderes, als wir beide es uns haben träumen lassen, viel haßerfüllter, viel unglücklicher, viel einsamer, aber furchtbar notwendig. Wir beide waren immer verantwortungslos und
hemmungslos, Du mit Ekel ab und zu, ich mit Blasenentzündungen und Migräne. Aber wenn wir andere, die Eltern, die Gesellschaft und wer weiß wen dafür insgeheim oder offen dafür verantwortlich
machen, hilft uns trotzdem keiner.
Das Pech ist, daß man uns Frauen vorgaukelt, mit einem Schuß Sex und ein bißchen Charme und Intelligenz kämen wir schon so weit, daß unser Leben lebenswert würde. Reingefallen! Dann kommen wir
höchstens dahin, wo einige Männer uns haben wollen: in der Jugend bequem zu benutzen, im Alter untendurch – Geschöpfe der Männnerideologie. Aber die Männer danken es uns nicht: wir werden nie
geheiratet. Sage nicht, das heiße nichts, doch! das sagt, daß wir ihnen das nicht wert sind....“
Damals macht mich der Brief betroffen, noch heute bewegt er mich und noch immer weiß ich nicht, was Liebe ist. Eva hatte so recht und so unrecht. Aus dem Brief spricht ihr eigenes Erleben, sie war
in einer schwierigen Beziehung, die schließlich in die Brüche ging, gleichzeitig ist er eine wütende Abfuhr der älteren Freundin, von der der Lack der Illusion abgeblättert ist, und sie will es
richtig machen, versucht einen Mann zu lieben und der Liebe wert zu sein.
Meine Wahrheit ist, ich habe nie die Tiefe einer Beziehung gehabt, daß ich gewünscht hätte, den Mann festzuhalten, es sei denn bei Hannes, dessen Leben ich jedoch nicht kenne, der sich über die
Jahre mit Drogen und Kaffee und Zigaretten und Alkohol und immer wieder neuen Frauen zugrunde richtet, er ist ein Suchtmensch, wie mein Mann, ich war später Jahrzehnte mit ihm und Gundel
befreundet, besuchte sie in Köln mit meiner Hündin, schlief in ihrer Wohnung. Eine Woche vor seinem Tod, er hatte seinen ersten Herzanfall gehabt, rief ich ihn an und erzählte ihm, man wäre dabei,
die „Coupole“ aufzustocken, und er war entsetzt, wie die immer fortlaufende Zeit alles zum Nachteil veränderte. Dann rief mein Freund Camillus mich an und sagte, ich habe zwei Neuigkeiten, eine
gute, eine schlechte, welche willst du zuerst hören, ich sagte die schlechte, er sagte, Hannes ist tot, und als ich nicht aufhörte laut zu weinen, sagte er pikiert: dann willst du die gute wohl
nicht hören, wieso, schluchzte ich, was ist es, er sagte, ich bin nicht HIV-positiv.
Im Sommer treffe ich Emmanuel. Er hat eine kleine Buchhandlung, gequetscht neben die riesigen Kinos des place Clichy, wo er von Verlagen verramschte Bücher verkauft. Er ist ruhig, fast
verschlossen, gebildet und ungewöhnlich. Sein dunkles Haar fällt ihm bis zu den Schultern, er hat dunkle exotische Augen. Er liebt meine Hündin, seine Zurückhaltung fasziniert mich, ich liebe
seine Wohnung, in einfachem Weiß gestrichen, das riesige Bett mit dem hohen Ficus daneben, seine Küche mit den Art-Deco Fliesen an den Wänden, die schönen Jugendstillampen, die Puppensammlung,
seine hohen Absinthgläser, aus denen wir Wein trinken. Ich bin glücklich mit ihm, alles ist selbstverständlich und einfach, keine übertriebene Hitze zum Sex hin, keine Überschwenglichkeiten. Von
ihm werde ich ein für alle Male taxiert: ich gehöre zu den zehn Prozent der gutaussehenden Frauen, doch innerhalb dieser zehn Prozent stehe ich ziemlich unten. Jack hat mich immer für häßlich
gehalten, ce que t’es laide, sagt er manchmal, er schöpft sich den Rahm aus den oberen 1 Prozent, und einmal will er mir einen Mann vorstellen, der eine Frau sucht, lädt uns zusammen in ein
Restaurant ein, dies ist ein wohlhabender Lastwagenunternehmer, „et il est absolument charmant et très gentil“, ich treffe den häßlichsten Mann, mit dem ich jemals ein Wort wechselte, ich verkürze
meinen Blick, um nicht in seine weiten Nasenlöcher zu schauen, die sich wie ein zweites, leeres Augenpaar zu mir öffnen, ich bin betroffen und verletzt, und eines Tages sehe ich mich im Fernsehen
und finde mich nicht unansehnlich, es ist der 11. November, beim Einkaufen auf der rue Lepic werde ich von einer Fernsehcrew zu diesem Tag befragt, wie stehe ich zum Jahrestag der deutschen
Kapitulation am Ende „de la grande guerre“, ach, sage ich, ich gehöre doch zur anderen Seite, „je suis du peuple de l’adversaire“, ob sie’s trotzdem hören wollen, ja, sagen sie, und als es
gesendet wird, bin ich bei Madame Manetti und sehe mich in Farbe.
Der Urlaub nähert sich, Emmanuel hat seit langem eine Reise nach Amerika und Kanada vorbereitet, ich verabrede mit Camillus, daß wir uns Anfang August auf Ischia treffen, komm einfach in mein
Hotel, sagt er, wir finden schon was. Um nicht in Staus zu geraten, es gibt nur eine südliche Autobahn, entschließe ich mich, in der Nacht loszufahren, als ich mich um zwei von Emmanuel
verabschiede, ins Auto steige, um weit weg in die schwarze Nacht zu fahren, da ist für immer der Schmerz der Verlassenheit in mir. Meine Hündin, die im Auto seekrank ist und sich manchmal
übergibt, hat Schlaftabletten in ein wenig Fleisch geschluckt, sie setzt sich vor dem Nebensitz auf den Boden, lehnt ihr Kinn gegen den Sitz und schaut mich die ganze Fahrt hindurch an: immer
wieder bin ich dabei einzuschlafen, sie richtet ihr Auge auf mich, das mich wachhält. Ich fahre im Morgengrauen in Dijon ein und miete für einige Stunden ein Hotelzimmer, ich muß schlafen, dies
ist meine erste lange Reise im Auto. Dann stechen wir durch die Alpen, schrauben uns zum Montblanc hoch, fahren durch den langen Tunnel und kommen in Italien wieder raus, übernachten in Turin,
übernachten in Florenz, dort nehme ich die großen Pfadfindergaben meiner Hündin wahr, sie führt mich zurück zum Hotel, am Ufer des Arno. Am nächsten Tag sind wir in Neapel und schiffen uns ein.
Während der ganzen Überfahrt sitzt meine Hündin wie eine Gallionsfigur ganz vorn am Bug auf dem dort spitz zusammenlaufenden Holzsitz, hält mit angelegten, leicht flatternden Ohren ihre Schnauze
direkt in die frische Seeluft.
In Camillus’ Hotel schlafen wir eine Nacht, dann scheuchen uns die deutschen Gäste fort, die keinen Hund dulden. Ich fahre die Küstenstraße entlang, stelle mein Auto irgendwo an einem Kliff ab,
wir steigen runter zum langen Strand, der bis zum kleinen Städtchen San Angelo reicht, „bellissimo cane“ schreien die Italiener, als sie uns sehen, weit hinten liegen zwei Hotels zwischen Kliff
und Strand, darauf steuern wir zu, man spricht Deutsch, hat ein Zimmer für mich, ich quartiere mich für einen Monat ein.
Mein Zimmer liegt im oberen Stock, es ist in den Felsen gehauen, vor mir ist eine große weiße Terrasse, auf der ich nackt meine Brüste sonne, dann ziehe ich einen Bikini an, laufe die weißen
Treppen hinunter, stürze mich ins klare Wasser, schwimme wie ein Fisch. Am Horizont zieht ein Ozeandampfer von New York nach Neapel. Meine neapolitanischen Freunde im Hotel nehmen mich zu
Tagesfahrten mit in ihre Stadt, wir gehen in Museen, in Restaurants. Meine beste Freundin ist die fünfjährige Tochter des einen, Claudia, sie liebt meine Hündin, sie besucht uns auf unserer weißen
Terrasse, wir essen zusammen, auf der Rückfahrt verbringe ich eine Nacht in der Wohnung ihrer Eltern.
Camillus ist in Ischia mit einem jungen Freund, in den er unglücklich verliebt ist, beide kommen ab und zu vorbei, oder ich fahre in die Stadt, wir sitzen zusammen im schattigen Garten des Hotels,
es ist so heiß. Einmal machen wir eine Rundfahrt um die Insel. Wir nehmen ein spätes Mittagsmahl ein, allein in einem großen Speisesaal, der kühl verdunkelt ist, die Nachmittagsbrise bewegt leise
die duftigen Vorhänge, speisen wir an einem großzügigen, weiß gedeckten Tisch köstlich. Dann wollen wir den Monte Epomeo besteigen. Das letzte Stück müssen wir auf Maultierrücken zurücklegen.
Camillus hat ein kleines Tier erwischt, ich lache, er sieht eher wie Sancho Pansa als wie Don Quijote aus. Camillus schöner Freund, auf einem hohen Tier, hat sein Hemd ausgezogen, meine Hündin
sitzt hoch aufgerichtet auf seinem rechten Schenkel, wie eine weiße Braut, mit dem Arm hält er sie an der Brust. Als wir am Gipfel absteigen, sind die weißen Hosen des jungen Mannes blutbefleckt:
meine Hündin hat ihre Tage bekommen, sie ist läufig, sie ist acht Monate alt.
Was das heißt, erfahre ich bald. In der klaren Inselluft hat sich ihr ganz spezieller Duft schnell verbreitet, von überall her strömen die Inselhunde, die alle gleich aussehen, stehen vor unserer
Tür, wollen die schöne Braut haben. Ich sperre sie ein, erbitte von der Hotelleitung ein Gummituch, das ich aufs Nebenbett breite, lasse sie nicht raus. Gehe abends mit ihr am Strand entlang,
werfe immer wieder Steine nach den uns verfolgenden Hunden.
Neben dem Hotel läuft ein Felsspalt tief ins Innere der Insel, mir wird gesagt, hier sind alte römische Quellen, heiß, radioaktiv, ich folge dem engen Spalt, finde einen Schönheitsbetrieb, Frauen
liegen in Schlammpackungen, in Steinbadewannen, lassen sich mit dem Schlauch heiß abspritzen. Ich lasse mich mehrmals abspritzen, lese den Prospekt: mit diesen Wassern hat man früher Sterilität
der Frauen bekämpft.
Am letzten Abend vor meiner Abfahrt hat einer der Inselhunde es geschafft, es war Bobby, der Hund des Kochs, hat meine Tür geöffnet, meine Hündin und er haben es miteinander getrieben, das
erzählen mir meine Zimmernachbarn. Ich bin betrunken, weine. Meine Hündin ist nicht mehr Jungfrau.
In Paris lasse ich sie abtreiben. Bei Hunden ist das einfach, eine Spritze, mehr nicht. Ich habe mehrere Briefe von Emmanuel erhalten, New York, 3 oaût, schreibt er, Bonjour Madame aux tâches de
rousseur – Bonjour Madame sans tâches de rousseur, wie immer adressiert er sich an meine Hündin, wenn er zu mir sprechen will. Im Grunde hat er nicht viel zu sagen, er sehnt sich nach uns und weiß
nicht, warum er nicht mit uns gefahren ist.
Im Oktober fühle ich mich seltsam, lasse mich untersuchen, ich bin schwanger. Durch jede Frau geht freudiges Erschrecken bei dieser Nachricht, bei mir ist das nicht anders. Sie ist das
geheimnisvolle Gefäß, in dem die Natur ihr Werk tut, Träger neuen Lebens. Die erste Zeit laufe ich mit mystischen Gefühlen herum, dann fange ich an zu denken. Wie läuft es wirklich mit Emmanuel?
Will ich mein Leben mit ihm verbringen? Will er das Kind? Emmanuel sagt weder ja noch nein. Das mußt du selber wissen. Jack stellt mich dann auf den Boden der Wirklichkeit zurück. Sei nicht
verrückt, sagt er. Denn wer bin ich? Eine Deutsche in Paris in unsicheren Lebensumständen. Eine Sekretärin. Verdient nicht viel. Die Härte des Lebens habe ich noch gar nicht erfahren. Frag
Marie-Thérèse, sagt Jack, zwei Kinder, kommt jeden Morgens vom Banlieu angefahren, wo ihr Leben sich abspielt, ich habe es viel zu gut hier und kenne das Leben in Frankreich gar nicht, und jetzt
habe ich auch noch einen Hund, dies ist hier keine Lebensstellung, wer weiß, was passiert, und was will ich dann machen? Habe ich was gelernt, Zeugnisse vorzuzeigen?
Im November fahre ich nach England, ich wohne bei unserem Kunden in einem Londoner Vorort, Jack und Manfred bezahlen Reise und Abtreibung, ich bleibe eine Nacht im Krankenhaus, dann laufe ich
einen Vormittag in London herum, fühle mich seltsam erleichtert, trete in einen Kleiderladen, werde im Keller zu einer köstlichen Tasse Tee eingeladen – draußen ist es bitter kalt.
Es gibt einige schwarz-weiße Photos aus dieser Zeit. Ich sitze in Emmanuels Küche, stierender Blick von unten her, meine Hündin haltend, ich trage wieder schwarz, ich rauche, hier stehe ich auf
dem Balkon, ich habe einen Bauch, vorher oder nachher? Es ist Winter, an der Türklinke hängt ein Pelzmantel, den ich von Françoise geerbt habe, und der bald in seine Teile zerfällt.
Ich erinnere mich an eine Aussprache mit Emmanuel, wir sitzen im Bastos, er will mich nicht mehr so oft sehen, er sagt harte Worte, eins habe ich nicht vergessen: „finalement t’as rien dans le
ventre“, und so meinte er es wohl auch, ich hatte nichts mehr im Bauch, Umgangssprache: ich hatte keinen Mumm. Nun, er auch nicht. Er wollte wohl ein Kind haben, doch ohne Verpflichtungen. Später
hat er genau das mit einer anderen Frau gemacht, diese war eine Notarin, er lebte sogar eine Weile mit ihr. Er hat noch immer eine Buchhandlung mit Ramschbüchern, nicht weit von den
Champs-Elysées, wenn ich in der Ecke bin, besuche ich ihn, sein dunkles Haar hat sich weit von der Stirn verzogen, seine Züge sind die brutalen Linien der Trockenheit, ich erkenne ihn nicht
wieder.
How about familiy planning, hatte der Arzt in London gesagt. I don’t have one, erwiderte ich, come on, you know what I mean, so werde ich auf die Pille gesetzt, die ich schlecht vertrage, mein
Unwohlsein wird noch größer, Jacqueline schickt mich zu einem ihrer Freunde, einem rumänischen Arzt, der in einem kleinen Büro Frauen schwarz behandelt, denn er hat seine französische Arztlizenz
noch nicht, Mamina, Jacquelines Schwiegermutter, die bei ihr wohnt, oben in meinem alten Zimmer schläft, behauptet, auch in Bukarest hatte dieser seine Lizenz ermogelt und erkauft, doch Jacqueline
schwört auf ihn. Sie sind sehr krank, sagt er zu mir, setzt mich auf immer stärkere Sedative, rät mir eine Spirale statt der Pille zu benutzen, eines Tages gibt er mir ein großes Glas Whisky zu
trinken, führt mir die Spirale ein, noch auf dem Arztstuhl fickt er mich sofort hinterher, so, sagt er, jetzt kann ja nichts mehr passieren, ich fahre im Auto zurück, kann vor Weinen kaum die
Straße sehen. Ich bin so geschockt, daß ich von einem Tag zum anderen aufhöre Medikamente zu nehmen, eine Weile leide ich die Hölle des Entzugs, und Jacqueline verhält sich wie mein Vater: als ich
ihr den Vorfall erzähle, tut sie ihn als unwichtig ab, läßt sich, als der Arzt endlich seine Lizenz hat, mehrere Male von ihm zu medizinisch unnötigen Operationen überreden, ich werde vorher
seinetwegen zur Polizei gebeten, die mich befragt: war ich nicht von ihm behandelt worden? Nein, lüge ich, Jacquelines wegen. Ich entferne mich von ihr, wohne nicht ihrer dritten Hochzeit bei.
V.
Yankilevsky, Kafkaeske Atmosphäre, Gouache und Pastell auf Farbpapier, 1969
Die Tage und Jahre meines Lebens, alle sich gleichend, immer verschieden, jeder Tag begonnen mit Erwartung, die
lange Sehnsucht der Nächte, Sehnsucht nach Wirklichkeit, nach Möglichkeit, die kurzen schönen Tage, wenn die Pariser lächeln, die Straßen eine große Stube sind, in der sie sich fröhlich bewegen,
die festlichen heißen Nächte, Herzklopfen der Verliebheit, immer wieder, die langen grauen Tage, wo nichts sich bewegt, die Erwartung schweigt, wo nur ein dunkler Kinosaal mich erlöst, die leeren
Sonntage des Fernsehens, und immer die Düfte des Restaurants von unten, die den Hunger nicht stillen, immer die Lichter von Paris, wenn ich mit der Hündin den Hügel hinuntersteige, immer der
plötzliche Einbruch des Schreckens, wenn die Realität es ernst meint, die vielen Menschen, die in meinen Weg treten, mich berühren, mich abstoßen, mir abends eine heiße Suppe spendieren, mich dann
vergessen, die vielen Bücher, deren Seiten ich leergelesen habe, die vielen Leben, die etwas von mir wollen, die Enttäuschungen, die sich in Ängste verwandeln, die Arbeit, die mich nicht mehr
ernährt, die vollen Tage meines Lebens, wo alles sich nach eigenen Gesetzen bewegt, ich mich wiege im Einerlei.
Doch immer wieder neue Horizonte. Ich habe einen alten deutschen Freund, ich traf ihn zuerst in Münster, später zufällig auf der Straße in Köln, als ich aus dem Kino komme, in Paris erfahre ich,
daß er hier wohnt, setze mich eines Sonntags in ein Café am boulevard Saint-Germain und er läuft weiß Gott drüben auf der anderen Straßenseite vorbei. Jedes Mal fängt wieder etwas zwischen uns an,
ich liebe ihn nicht, er mag mich, verachtet mich aber. Er gibt mir einen Scheinschutz, eine Scheinsympathie, entzieht sie mir mit beleidigenden Bemerkungen. Ich weiß nicht viel über ihn, er
verbirgt sich im Mythos: er entstammt einer alten, reichen Bankiersfamilie. Nach einer Weile trifft er eine junge Französin, lebt mit ihr in einer typischen alten Pariser Wohnung neben dem Jardin
des Plantes, zwei Zimmer ohne Bad, das Klo befindet sich im Treppenhaus auf der Halbetage. Ich bin oft bei ihnen zu Gast, seine Freundin macht wundervolle Pasteten. Eines Tages finde ich eine
wunderschöne Frau bei ihnen, mein Freund hat sie an den Quais der Seine getroffen, wo sie selbstgemachten Schmuck verkauft, hat sie angeredet, sie eingeladen. Das ist Maruscha, Argentinierin,
Schauspielerin. Ich gerate durch sie in eine neue Gruppe, die artistischen Exil-Argentinier, Schriftsteller, Schauspieler, Regisseure, später gründen sie eine Schauspieltruppe, die von sich reden
macht, Maruscha stellt Eva Peron auf der Bühne parodistisch dar, sie lebt mit Edouardo, dem Bühnenbildner, wir haben eine Liebesbeziehung zu dritt, Maruscha ist zu schön, sie ist der Traum, den
ich träumen möchte. Während einer Theateraufführung ihrer Truppe habe ich meinen ersten Anfall von Platzangst, zwischen die anderen Zuschauer gequetscht, erleide ich plötzlich Todesängste, mein
Herz zerspringt, ich muß den Saal verlassen. Zwei Jahre später hat Maruscha einen Schlaganfall, sie ist über ein Jahr im Krankenhaus, kurz bevor ich Paris verlasse, besuche ich sie an einem
Wochenende, sie ist soweit hergestellt, daß sie ab und zu sonntags nach Hause darf, ich lasse ihr ein Parfüm von Chanel im Zimmer, ich habe nie erfahren, ob sie es mochte.
Eva besucht mich in Paris, sie hat sich mit mir abgefunden, mich neu entdeckt. Sie schreibt:
„Der Besuch bei Dir hat meine Lebensweise verändert: ich dusche täglich am Morgen, habe im März meine Kur gemacht und bleibe nun auf dem damals erzielten Gewicht von 102 Pfund, koche mit einem
Dampfkochtopf (und alles wird sehr lecker!) und rasiere meine Beine. Nun wirst Du sicher zufriedener mit mir sein. Willst Du nicht mal auf ein paar Tage zu Besuch kommen? Wir haben einen Balkon,
auf dem man nackt sonnenbaden kann....“
Doch ich fahre nicht zu ihr, sondern woanders hin. Ich habe Elisabeth getroffen, die eine langjährige Freundin wird, doch sich immer wieder von mir lossagt. Sie ist bunt, lebhaft, von nervöser
Intelligenz, ihre Worte laufen schnell damit sie immer überall die erste ist. Sie ist in Algerien geboren, ihre Mutter ist Jüdin, sagt sie, vielleicht auch ein wenig arabisch, so genau weiß sie es
nicht, aber ihre Großmutter war eine strenge Jüdin, sagt sie, ihr Vater schneiderte Uniformen für die französische Armee, er kam aus Lothringen, als Elisabeth zehn war, nahm er seine Familie
dorthin zurück, in die Kälte. Sie hat vier Schwestern und einen Bruder. Ihre Mutter hat ihren Mann für die vielen Kinder gehaßt. Ihr Vater ist mal ihr Held, mal der unbarmherzige Vater. Als ihre
ältere Schwester mit achtzehn schwanger ist, wirft er sie aus dem Haus, als sie, Elisabeth mit achtzehn schwanger ist, ebenfalls. Sie fährt ihrer Schwester hinterher, nach Paris. Als ihr Sohn
geboren wird, wohnt sie in einem Heim für ledige Mütter, arbeitet in einem Büro. Dann gibt sie ihren Sohn für zwei Jahre zu Pflegeeltern, führt ein wildes Leben, sie lernt Mike kennen, der sie von
Anfang an demütigt, sie hängt sich an ihn, er akzeptiert ihren Sohn, adoptiert ihn, ihr Sohn wird nie erfahren, daß Mike nicht sein Vater ist. Elisabeth hat eine unbändige Libido und Energie, sie,
aus dem Volk, wie sie sagt, geht 1969 auf die freie Uni in Vincennes, zu der man kein Abitur braucht, sie studiert Erdkunde, Geschichte, hat Jobs nebenher, wird von Mike betrogen, von ihm benutzt,
Mike arbeitet als Drucker an einer Zeitung, er macht dunkle Geschäfte mit Noras Gangsterfreund, Elisabeth schafft ihre Examen, fängt eine Psychoanalyse an, ihren Sohn überläßt sie Mike, kümmert
sich nur um ihre eigene Karriere, die immer wieder durch ihr herrisches Aufbegehren, die Heftigkeit ihrer Reden und Vorstellungen in Gefahr gebracht wird, in ihrer Rechthaberei schreckt sie ab,
sie wird nie eine feste Position innehaben, sie schreibt einige Geschichtswerke, überwirft sich mit ihren Auftraggebern, hat enorme finanzielle Schwierigkeiten, ist schon lange von Mike getrennt,
ihr Sohn ist einfacher Arbeiter geworden und sie träumt noch immer den Traum vom großen Erfolg.
Ich treffe Mike auf dem Flohmarkt, ein brustgeschwellter Großkotz mit ausladendem Schnurrbart, er schwatzt witzigen Unsinn, bringt mich zum Lachen und ich nehme ihn mit nach Hause. Dann treffe ich
Elisabeth durch Nora, mein Leben hat sich immer in Kreisen bewegt, nicht wachsend, nur mich seltsam einschließend.
Im Sommer 1973 schlägt Mike mir vor, mit ihnen nach Korsika an einen Naturistenstrand zu fahren. Ich sage zu, hier ist ein Paßphoto vom Naturistenausweis, ich trage meine sandfarbenen Haare
aufgesteckt, obwohl in schwarz-weiß, weiß ich, mein Kleid ist erbsengrün mit weißen Punkten, vom Flohmarkt, ich trage eine Art-Deco-Kette. Meine jüngste Schwester, noch nicht verheiratet, schließt
sich mir an. Zuerst fahren wir zu Jacks Haus in Port-Grimaud, wo wir eine Woche bleiben, nehmen dann in Nizza ein Flugzeug bis Bastia, für meine Hündin kaufe ich einen Hundecontainer. Dann nehmen
wir den Bus die Küste hinunter bis Porto-Vecchio, jemand holt uns ab, wir fahren in ein ockerfarbenes, staubiges Gelände, unter hohen Fichten stehen Zelte, Elisabeth hat ihres an einer Bucht
direkt vor dem Meer aufgeschlagen, als wir ankommen, begierig nach dem kühlen Meer, ziehe ich mich sofort aus und stürze mich hinein, meine Hündin kommt hinter mir her, schwimmt zu einem kleinen
runden Felsen, der aus dem Wasser ragt, sitzt dort wie die Meerjungfrau in Kopenhagen und schaut aus nach mir.
Meine Schwester hat ein kleines Zelt mitgebracht, das wir unweit aufbauen. Es ist ein sehr ausgedehntes Lager, die meisten Bewohner sind Deutsche, neben Elisabeth ist ein altes deutsches Ehepaar,
das seit einer Ewigkeit jedes Jahr wiederkommt, den selben Platz einnimmt, sogar einen kleinen Garten pflegt, wo Tomaten wachsen, bis sie es im Oktober verlassen. Ganze deutsche Familien sind da,
die in religiösem Stoizismus ihre Nackheit umhertragen.
Mike hat einen jungen Mann für mich mitgebracht, er ist zehn Jahre jünger, kräftig, muskulös, Nase wie ein griechicher Gott, krause blonde Haare, wir haben eine heiße Affaire miteinander. Meine
Schwester schüttelt den Kopf, zieht sich nicht aus, bricht sich ihren großen Zeh im Dunkeln, als sie über eine Baumwurzel stolpert. Elisabeth kauft ein, kocht jeden Abend für die ganze Bande, die
am langen Tisch vor ihrem Zelt sitzt, da ist ihre ältere Schwester mit ihrem Sohn, da ist Yvette, die argentinische lesbische Hure, ihre Geliebte, mit der Mike Schach spielt, Mike ist da, ist weg,
er hat einen Tripper, er hat seine Geliebte mitgebracht, sie ist auch ab und zu in unserem Kreis, jede Nacht essen und trinken wir bis bis in die Puppen, Mike ist der Alleinunterhalter, mit ihm
schnellt die Unterhaltung immer wieder auf, Elisabeths Schwester ist schwierig, kapriziös, versucht meine keusche Schwester anzumachen, eines Abends schlagen wir uns, Gott weiß warum, ich verliere
die Kontrolle, ohrfeige sie, sie schlägt zurück. Sie ist die Hypersensible, die Künstlerin, die jedoch nie etwas schafft, Spezialkonditionen vom Leben fordert, ihre Umwelt herausfordert mit
krankhaften Wahnsinnsanfällen, ihr ganzes Leben lang, ihre Geisteskrankheit inszeniert, in Institutionen eingeliefert wird, mit Hohn alle irreführt bis ihr niemand mehr glaubt, doch hat sie das
letzte Wort gehabt, vor drei Jahren. Zu der Zeit hatte Elisabeth wieder mit mir gebrochen, einfach so, ich hatte sie zwei Jahre nicht gesehen, ich kam gerade aus Griechenland zurück, sobald ich
die Wohnung betrat, hörte das Telefon nicht auf zu schellen, Edith, die Verrückte von unten rief an, sie hätte mich angezeigt, im Bunde mit dem Hauswart würde ich ihren Strom stehlen, geben Sie
ihn mir sofort ans Telefon, rief sie, er ist bei Ihnen, ich legte auf, zweimal rief sie an, das dritte Mal war es Elisabeth, sagte, Jeanne hat sich umgebracht, kann ich dich sehen. Dann kam sie,
erzählte, ihre Schwester war zum Friseur gegangen, hatte ein Bad genommen, sie, die seit langem sich nicht mehr wusch, nicht mehr anzog, fett geworden war, sie hatte ein neues Kleid angezogen,
sich auf ihr Bett gelegt, eine Handvoll Pillen mit Alkohol geschluckt.
Unsere Ferien verlaufen dank Elisabeth in Harmonie, sie hält uns auf Trab und ist unser Mittelpunkt, mit dem bitteren, lachenden Mund, den sie immer tragen wird.
Hier sind einige Photos, die Mike damals schoß, er war ein begabter Photograph und Graphiker, auf dem einen, in Farbe, Elisabeth, nackt, Arme unter der Brust gefaltet, ihr Gesicht lächelnd, ihre
schwarzen Haare unbändig gekraust von der Meeresbrise, neben ihr Pascal, mein junger Liebhaber, und der hübsche Richard, Jeannes Sohn, dahinter stehe ich, in Jeans und grünem T-shirt, streiche
mein dauergewelltes Haar zurück. Zwei Photos hat Mike vergrößert, ein Brustbild, ich trage nichts als einen Strohhut mit Blumen obendrauf und Flohmarktschmuck um den Hals, meine neuen Brüste
natürlich, schelmisch lächele ich schräg zu ihm hoch; das andere ist ein Schnappschuß, meine unendlichen Beine von der Seite, in dem Jahr trägt man Plattformschuhe, meine Sohlen sind aus dickem
Kork, am linken Knöchel ein Kettchen, mein Rumpf beugt sich im rechten Winkel vor, an meinem Bauch hängen zwei Speckfalten, auf dem linken Arm trage ich Wäsche, mein Kopf ist nicht im Bild.
Ich werde unter der abendlichen Dusche arg von Mücken zerstochen, schlafe selig mit meinem jungen Geliebten, wir schwimmen alle bis zur nächsten Insel, das Wasser ist kristallklar, meine Hündin
verschwindet morgens mit einem Irish Setter in die schilfbewachsenen Kloaken, kleinen Seen, sie springen dort herum wie verrückt, sie kommt zurück mit Kot bedeckt, ich dusche sie ab, nach einer
Weile ist ihr Körper von Pickeln übersät, einer Art Nesselausschlag, in der Bucht vor uns liegt das Schiff eines Engländers, den wir wegen seiner Ausmaße Falstaff nennen, er stapft ab und zu an
Land, lädt uns zu Ausflügen auf sein Boot ein, mit einem Glas Pernod in der Hand spielen wir am Abend Boule auf dem staubigen, ockerfarbenen Weg, wenn die Nacht eingefallen ist – es gibt keine
Elektrizität – essen wir und trinken wir bei Kerzenlicht. Als die Ferien zuende gehen, passe ich nicht mehr in meine Hosen – ich hatte eine schicke weiße Satinhose in Port-Grimaud gekauft – und
als ich Jack in seinem Haus in Port-Grimaud treffe, lacht er mich aus: ich bin gemästet wie ein fettes Schweinchen.
Nur in den Ferien scheint die Essenz dessen, was das Leben uns geben will, erreichbar. Keine Fragen, keine Probleme, keine Krankheiten, Abenteuer, Rausch des Körpers, Wärme, Bewegung, Entspannung,
gute Verdauung, Glück, Liebe, Geschenke des Lebens, Trunkenheit.
So ist das Jahr schon wieder zuende, mein Ferienliebhaber besucht mich, in einen Anzug geklemmt, sein Haar geglättet, jemand anderes. Jacqueline bekommt ihre Tochter in diesem Jahr, ich besuche
sie wieder, ich habe die Grenzen der Freundschaft gelernt, oder die Begrenzungen meiner Freunde. Qu’est-ce que tu veux? Que veux-tu que je fasse? hatte sie gesagt. Jacqueline war über vierzig,
ihre Geburt war vorhersehbar schwierig, das Kind kam an einem Samstag, überraschend, ihr toller Arzt war ins Wochenende gefahren.
Im Jahr darauf nehme ich keinen Urlaub, ich werde von Jack entlassen.
Ich bin eines der Opfer der großen Politik. Schon ab 1971 muß ich mehrmals im Jahr eine neue Preisliste erstellen, es liegt am Goldpreis, der wegen der Unzulänglichkeit des Dollar immer weiter
steigt. Zuerst weichen wir dem aus, indem wir alle Modelle auch in Nickel, mattem Nickel, Zinn, Chrom, Silber anbieten, viele neue, moderne Modelle werden erst gar nicht in Gold hergestellt. Doch
dann kommt die Ölkrise hinzu und der Zusammenbruch des Währungssystems. Jack macht neue Verträge mit den Herstellern, gibt seine Firma auf, und erhält nur mehr einen Prozentsatz auf den Verkauf
seiner Modelle, die er jedoch weiterhin vertritt. So werde ich überflüssig.
Ich bin längst seiner überdrüssig, seiner menschenverachtenden Leichtfertigkeit, seiner Unzuverlässigkeit, seiner Lügen, seiner Profitgier, seiner Playboy-Indolenz, seiner dreckigen Witze, seines
Lachens, seiner Frauengeschichten, seiner vielen Tripper, müde bin ich seiner, nicht enttäuscht, denn ich habe mir nie etwas von ihm erhofft, er steht zu weit außerhalb meiner wirklichen Welt, und
doch ist er für immer bei mir eingeschrieben, weil er mir die Leichtigkeit gab, einen Funken nur, der mir half zu überleben.
Er hat mir ein Zeugnis geschrieben:
„Mademoiselle NN nous a donné toute satisfaction possible, dans tous les domaines de son poste. D’autre part, elle a su établir avec nos fournisseurs et clients un climat de cordialité efficace.
Elle a, de plus, participé étroitement avec beaucoup d’adresse à l’implantation de nos agences à l’étranger.
Nous recommandons chaleuresement les services de Mademoiselle NN, dont le travail a, en outre, été toujours agrémenté d’une bonne humeur bien sympathique. Fait à Paris le 20 juillet 1974.“
Am Anfang stehe ich mich nicht schlecht. Ich empfange neunzig Prozent meines Gehalts als Arbeitslosenunterstützung, ich arbeite schwarz für Jack weiter, schlüssele die Bestellungen der Kunden für
die Armaturenfabrik auf, doch sind Miete, Elektrizität, Gas, die Versicherung für das Auto, das Jack mir überläßt, zu meinen Lasten. Ich verbringe faule Sommermonate im Schwimmbad der Piscine
Molitor in Auteuil, wo wir Mädchen uns auf dem oberen Deck, nur mit einem Dreieck versehen, nackt sonnen können. Dort treffe ich neue Freundinnen, Tänzerinnen des Moulin Rouge, Herta, eine ältere
Österreicherin, die in einer internationalen Bank arbeitet. Dies ist die Zeit, wo ich meine Haare, leicht dauergewellt, einmal in der Woche vom Friseur legen lasse. Dies ist die Zeit als ich
Pascale und ihren Mann Olivier treffe, in Pascales Klamottenladen kaufe ich Gürtel, Taschen, Tücher, so schön, daß ich sie noch besitze, sie sind Museumsstücke meines Lebens, im Sommer viele
Kleider, in hellgrün, in orange-rosa, in weiß, mit weiten schwingenden Röcken, viele Emmanelle Khan-Sachen mit Stickereien, die ich alle sehr lange trage – danach bin ich sehr arm. Dies ist das
Jahr meines Ego-Kults, ich bin frei, habe eine schöne Hündin, ein Auto, verdiene ein wenig Geld, bin 35, ich fahre oft in Jacks khakifarbenem VW-Armee Jeep herum, meine Hündin neben mir, mit
offenem Verdeck, Wind und Sonne im Gesicht. Ich bin unglücklich in einen Schauspieler verliebt, der oben an der rue Lepic ein kleines Apartment bewohnt, ich treffe ihn oft im Restaurant „La
Pomponette“, er ist in schwarzes Vergessen geraten, hat keine Arbeit, lebt in Depression, versucht Englisch zu lernen, verläßt selten das Haus. Ich treibe mich mit Max herum, dem russischen Maler
und seiner Bande, oben in einer kleinen Seitenstraße von Montmartre, er lebt im Erdgeschoß hinter einem kleinen Garten, am 14. Juli veranstalten wir ein abendliches Straßenfest. Ich habe einen
Liebhaber vom Flohmarkt, einen fetten lispelnden Art-Deco-Händler, der jedoch in befriedigender Weise Liebe mit mir macht, das Wort, das die Lagier bei Flauberts Abendessen von sich gab, ist
durchaus hier anzuwenden. Irgendwann habe ich die Idee, auf dem Flohmarkt für deutsche Antiquitätenhändler nach Waren zu stöbern, mache mit meiner Hündin im Auto eine Deutschlandtour, nach
München, Frankfurt, Köln, wo ich bei Hannes und Gundel wohne und Hamburg. In der Milchstraße in Hamburg finde ich einen Händler, dem mein Vorschlag gefällt. Ich will ihn Hans nennen, wie in einer
meiner Kurzgeschichten, wo ich ein wenig beschreibe, wie mein Abenteuer mit ihm abläuft. Er hat sich auf Jugendstilsachen spezialisiert, die soll ich jetzt studieren, ich fahre nach Nancy, ins
Gallé-Museum, gehe oft zur rue Drouot, ins Auktionshaus, lerne die einschlägigen Händler kennen. Hans kommt ein- bis zweimal im Monat nach Paris, ich hole ihn am Flughafen ab, fahre ihn herum,
samstags um vier morgens, wenn die Händler langsam eintreffen und ihre Waren auspacken, laufen wir mit großer Ausdauer und Beständigkeit, in jeder Dunkelheit, in jeder Kälte den Flohmarkt auf und
ab, damals erstehe ich einen halblangen, wundervoll geschnittenen Silberfuchs aus den Dreißiger Jahren, in den ich zumindest meine obere Körperhälfte warm schmiegen kann, nachmittags sind wir in
der Stadt bis in die Nacht hinein, suchen nach Ware. Wir arbeiten über ein Jahr zusammen, werden gute Freunde, obwohl ich nicht ganz mit ihm warm werde, er verunsichert mich, er gehört zu den
Leuten, die für alles eine Erklärung haben, sie mit Nachdruck und Autorität von sich geben, die ganze Welt in ihre privaten Dogmen pressen, die Neger sind so und so, Afrika geht es schlecht, weil
der Neger faul ist, er selbst ist damals, als er nach Diamanten suchte, jeden Tag zwanzig Kilometer durch den Urwald zur Arbeit gelaufen, richtig gelaufen, in der Hitze, so was tut ein Neger
nicht, wenn er das erzählt ist seine Stimme wie ein Schälmesser, mit dem er alles in Stücke schneidet, seine hellblauen, weißbewimperten Augen fallen ihm fast aus dem Kopf, schielen leicht, ich
gucke den kurzen, ein wenig fetten Mann an, wie er das geschafft hat, denke ich, und er war ein erfolgreicher Finanzberater für Prominente, früher, und sowieso bewegt er sich nur in illustren
Kreisen, dabei kann er doch manchmal so kindlich sein, so freundlich, doch Hunde mag er nicht, einen Hund auf der Straße würde er eher überfahren als den Fuß auf die Bremse setzen. Damals fängt
meine Essenstetanie an: beim Kauen blockiert sich alles, ich kann nicht schlucken, nichts mehr in meinen Magen aufnehmen, der tödliche Schrecken durchfährt mich. Ich liebe den Flohmarkt als
Ausstellung des Lebens, als die harte Wirklichkeit bin ich ihm nicht gewachsen, wir sind überall bekannt, doch Hans wird von den Händlern gehaßt, weil er ihr Preisgefüge durcheinanderbringt, zu
teuer einkauft, die Preise hochtreibt, für eine Ware, die er dann in Deutschland mit Geschick an sehr reiche Liebhaber loswird. Für dieses Leben habe ich nicht die notwendige Härte, werde sie nie
haben, hier ist nicht mein Platz.
Als nach einem Jahr meine Arbeitslosenunterstützung stark gekürzt wird, schreibe ich mich in Zeitarbeitsfirmen ein, man schickt mich zu Unternehmen wie IBM, doch ich bin nicht fit für den Markt:
ich habe nie auf einer elektrischen Schreibmaschine getippt, kann keine Stenographie – seit langem brauchte mir niemand mehr Briefe zu diktieren – ich war selbständig gewesen, autonom,
charakterlich bin ich jetzt quasi verdorben, um mich in die Rolle der Sekretärin zu fügen, mich in eine dieser Maschinenfrauen zu verwandeln, die um mich herum mit klackenden Fingernägeln rasend
in die elektrischen Tasten schlagen, nie ein freundliches Wort sagen, mich sofort ihre Überlegenheit fühlen lassen.
Ich bin verzweifelt bis Herta mir sagt, ich kann in den Ferien ihre Vertretung in der internationalen Finanzbank übernehmen, führt mich dort ein. Das ist in der rue de la Paix. Ich sitze im
Empfang eines Büros, das fast nur aus Chefs besteht. Dies ist die hohe Finanz, große Herren schreiten um einen herum, für die man gar nicht existiert. Jedoch verführe ich zwei von ihnen. Der eine
ist ein unerhört schöner Mann, sehr groß, glattes hellblondes Haar, schlank, elegant. Ich sehe ihn zuerst in der Mittagspause als ich über den Platz Vendôme schlendere, er ist so schön, daß ich
mich nach ihm umdrehe. Als ich wieder am Empfang sitze, kommt gerade dieser schöne Mann mit einem der Direktoren durch die Tür. Hier ist sein neuer Posten, er spricht Deutsch, ist von altem
baltischen Adel, hat alle großen Universitäten besucht. Jedoch im Bett ist er eine Niete. Der andere ist einfach ein junger netter Mann, er ist mir während der kommenden Schwierigkeiten ein guter
Freund, bald heiratet er.
Ich stelle in der Firma einen Antrag auf Einstellung, erhalte sie, werde in der oberen Etage mit der zweiten Garnitur in der Verwaltung eingesetzt, unter einem neuen Chef, einem kleinen,
untersetzten, arschwackelnden Mann mit Adelstitel. Ich habe, um ehrlich zu sein, nicht viel Ahnung, habe jedoch im Empfang gelernt, auf der Elektrischen zu schreiben. Ich lerne neue Wörter, die
Begriffe, die sich dahinter verstecken, den ganzen administrativen Kleinkram, den ich verwalten soll, denn die Firma ist noch im Aufbau, sie soll Atomprojekte finanzieren. Vielleicht bin ich
falsch am Platz, ich brauche keine meiner Fremdsprachen, ich kenne die französischen Sozialgesetze nicht, nicht den französischen Bürokratismus, nicht das sekretariale Gehabe, ich hasse die hohe
Finanz, vor allem alles was mit Atom zu tun hat. Ich arbeite neben einer Kollegin, die auch neu ist. Ich bin, wenn nicht immer eine willige, doch eine gewissenhafte Sekretärin gewesen, und bin mir
keiner Schuld bewußt. Im Frühjahr wird eine tagelange Inventur gehalten, mit der ich jedoch nichts zu tun habe, große Summen sind unauffindbar, die Börsenmakler fangen an zu munkeln. Vielleicht
bin ich eine Art Blitzableiter für meinen Chef, seitdem ich bei ihm arbeite, irritiert er mich mit seiner Wichtigtuerei, er gehört zu jenen, die nicht aufhören können zu schwatzen, einen von der
Arbeit abhalten, abends nicht nach Hause lassen, wieviele Male habe ich ihm unter dem Schreibtisch Löcher in den Bauch geschossen, jetzt fällt er über mich her, er läßt sich verbal gegen mich aus,
schiebt mir Dinge in die Schuhe, ich verstehe nicht wovon er redet, es ist gegen Mittag, ich werde sofort krank, ich habe so starke Schmerzen, daß ich im Taxi nach Hause fahre, einen Arzt rufe,
mich krank schreiben lasse.
Tiefgetroffen treffe ich heimlich meine Kollegin, die ratlos ist, rede am Telefon mit den Maklern, die nicht wissen, was los ist. Ich überlege. Später schreibt mir diese Kollegin, in meiner
Nachfolge war ihr danach das gleiche zugestoßen, sie war unter falschen Anschuldigungen aus der Firma ausgestoßen worden und sah für sich keine Möglichkeit, weiterhin in Frankreich zu arbeiten,
sie wollte nach Kanada auswandern. Und viel später hörte ich, dieser administrative Chef wurde aus unehrenhaften Gründen verabschiedet, dann war die Firma aufgelöst worden. Das war mir eine
Befriedigung. Als ich anfing dort zu arbeiten, hatte ich Steuerschulden, bat, um sie zahlen zu können, um ein Darlehen, nach einem Jahr wurde mir die Rückzahlung unmöglich, ich hörte nie wieder
von ihnen: vielleicht gibt es eine Gerechtigkeit.
In diese Zeit fällt Jacks Anruf, er hatte einen Kunden in Los Angeles aufgetan, dieser suchte nach fähigen Angestellten für sein neues Geschäft, wäre es nicht eine gute Idee, dort zu arbeiten, er
würde mir helfen, alles in die Wege zu leiten. Ich treffe André, einen schwarzhaarigen, trockenen Belgier, der in Beverly Hills einen Friseursalon hat, ihn verkauft, um in eine luxuriöse Boutique
mit Jacks Ware zu investieren.
Es ist ein seltsam Ding mit der Zeit, ich denke, es gibt sie nicht, sie ist eine Erfindung, obwohl vor mir ein altmodisch tickender Wecker steht, den ich vor fünf Jahren kaufte, weil ich hören
wollte, daß sie abläuft, die Zeit, aber wiederum denke ich, sie ist ein Begriff, eine Abstraktion, eines der Ordnungselemente im dunklen Tal, das wir durchqueren, in dem es manchmal hell und
freundlich strahlt, doch dann kommen die Schatten wieder, und wir wissen nicht, wohin uns wenden. Es ist so mit der Zeit: wenn etwas passiert, wissen wir, daß sie neben uns ist, uns begleitet bis
zum Moment, wo es sie nicht mehr gibt. Ganz konkret ist sie wirklich nicht vorhanden, denn was sind wir mehr als ein verwehendes Stäubchen in der Ewigkeit, wir vermessen uns, sie in der kurzen
Spanne, wenn ihre Relativität sich durch die banalen Verzwicktheiten unseres Lebens rankt, zu messen, vorher und danach gibt es sie nicht.
Vorhin habe ich meine Teekanne zerbrochen. Jeder kennt das Gefühl der Unwirklichkeit, die sofort eintritt: Mensch! vor einer Minute war sie noch heil, vor einer Minute war mein Bein noch nicht
gebrochen, vor zwei Tagen war meine Katze noch am Leben. Wenn man die Scherben aufliest, weiß man, was das ist, die Zeit, denn wenn es sie nicht gäbe, wäre jetzt die Kanne nicht kaputt, sie hat
sich einfach mit einem Ruck vorgeschoben, während sie für gewöhnlich hinter uns her hinkt, und wir wünschen, es passierte endlich was.
Es war eine Thomas/Rosenthal Kanne, die einzig vernünftige, die ich hier finde, sie kostet circa hundert Mark, fünfundvierzig Euro. Ich stieß sie mit einer ungeschickten Handbewegung um, sie fiel
in mein altes steinernes Spülbecken, ich bin fast jeden Tag ungeschickt, so ungeschickt, daß ich fürchte, jeden Moment passiert das nächste Unglück, das ist, weil die Zeit nicht vergehen will, ich
mich jeden Tag unglücklich fühle und möchte, daß das endlich aufhört.
Mein Mann lebt in seiner gewöhnlichen Unbeweglichkeit, nur an seinen vielen weißen Hautzellen, die er überall vertreut, könnte er merken, daß er noch in der Zeit lebt. Sonst bleibt er bis sechs,
acht abends im Bett, trinkt immer wieder Wein, nimmt Beruhigungspillen, alles nur um zu vergessen, daß seine Zeit ihrem Ende zutickt. Während er schläft, darf ich keine Maschinen anstellen, nicht
telefonieren, nicht Radio hören. Wenn er endlich aufsteht, bereite ich ihm etwas zu essen vor. Ich halte mich an den alten Rhythmus: Abendessen um acht. Wenn er um sechs aufsteht, gebe ich ihm ein
Müsli, damit er um acht wieder hungrig ist. Jedoch, wenn er den ersten Bissen zum Mund führt, versagt sein Magen die Essensaufnahme und er denkt er hat einen Herzanfall. Es ist sehr seltsam, mein
Mann hat ein Elephantengedächtnis, doch alles was seinen Alkoholismus, seine Krankheit angeht, bleibt gefangen in den kindlichen Mustern der Bestürztheit und der Hilflosigkeit, er ist unfähig
Schlüsse zu ziehen, weil diese suchtbehindernd wären. Ich weiß genug über Magengeschichten von mir selbst, um zu wissen, was mit ihm los ist, doch nie versteht er, was ich sage. Für gewöhnlich mag
er an dem Tag gerade nicht, was ich ihm zu essen gebe. Wenn ich ein Rinderfilet habe, will er Eier mit Speck, wenn ich Lasagne aufgewärmt habe, hätte er lieber Spaghetti. Alles, was ich ihm auf
dem Tablett reiche, ist zu viel, er ißt sehr wenig, deswegen denke ich, er hält es nicht mehr lange durch, aber andererseits, er bewegt sich nie, er verbraucht keine Energie. Sein Stuhl ist
schwarz, kein Wunder bei den vier Flaschen Wein pro Tag, doch das ist nicht so viel, wenn man es sich überlegt, alle sechs Stunde eine Flasche, das sind drei Liter im ganzen.
Er weist mich ständig zurecht, fragt mich, warum tust du dies, warum steht das hier. Über die Abläufe des täglichen Lebens weiß er nichts, wenn er zu mir spricht, murmelt er nur mehr und tut so
als wüßte er nicht, daß ich ihn nicht hören kann, abends um elf, wenn ich im Nachthemd bin, will er, daß ich runter laufe und ihm ein Guinness hole, mitten in der Nacht stirbt er vor Hunger und
macht sich ein Sandwich zurecht, ruft mich, wo ist die Mayonnaise. Er treibt mich jeden Abend vom Fernseher weg, aber das habe ich schon erzählt. Da es jeden Tag regnet und kalt ist, gehe ich nur
aus wenn nötig, so sind die Abendnachrichten oft mein einziger Blick nach draußen in die Welt. Lautstark kann mein Mann sich nur über den Premierminister Jospin auslassen, der ein alter Trotzkist
ist, und, noch schlimmer, ein Protestant. Es ist Jospins Schuld, daß es so viel regnet, es diese Überschwemmungen gibt, denn er hat das Pariser Wasser in die Provinzen abgeleitet. Seine Schuld
ist, wenn es viele Verkehrstote gibt, why doesn’t he do something about it, seine Schuld, wenn die Hebammen streiken, oder die Eisenbahner das ganze Land lahmlegen, er hat bei der Stillegung
dieser vielen Firmen, Danone, Marks & Spencer, Moulinex, AOM seine Hand im Spiel, bis ich schreie, hysterisch: Tais-toi, shut the fuck up!
Seinen Computer rührt er nicht mehr an.
Ich warte auf die Zeit. Meine Idee, mit ihm in den Süden zu ziehen, habe ich fürs erste fallen gelassen, es ist einfach nicht genug Geld da, und er ist unverpflanzbar. Ich warte auf die Zeit. Ich
nehme sie, wie sie kommt. Ich bin ungeschickt und unglücklich und meine Nächte sind voller Träume, erschrecken mich. Wenn mein Wünschen, er möge nicht mehr da sein zu stark wird, stöhne ich vor
unvermögendem Schmerz. |